Kommentar: Herausforderungen bergen Chancen am Immobilienmarkt

Horst Lukaseder, Mitglied der Geschäftsführung bei der VMF Immobilien, blickt auf ein schwieriges Immobilienjahr zurück und gibt einen Ausblick auf die wichtigsten Trends 2024.

Das Jahr 2023 markiert einen Wendepunkt im Immobiliensektor. Gebeutelt von zehn aufeinanderfolgenden Leitzinsanhebungen der Europäischen Zentralbank, einer hohen Inflation, den Auswirkungen der KIM-Verordnung und schließlich der erschütternden Insolvenz der Signa-Gruppe, erlebt der Immobilienmarkt nun Ende des Jahres eine beispiellose Vertrauenskrise. Doch statt Resignation bietet das kommende Jahr Raum für spannende Entwicklungen, die das Potenzial haben, den Markt nachhaltig zu prägen. Dieser Moment bietet langfristig orientierten Investoren, die auf nachhaltige Werte statt kurzfristige Spekulation setzen, die Chance, den zukünftigen Immobilienmarkt maßgeblich zu prägen.

Gesamtmarkt verzeichnet einen Preisrückgang

Aktuelle Daten der Oesterreichischen Nationalbank zeigen, dass Österreichs Immobilienmarkt im dritten Quartal 2023 einen Preisrückgang von 2,9 Prozent erlebte, in Wien sogar um vier Prozent. Doch hinter diesem generellen Trend verbirgt sich eine komplexere Marktlage. Während gebrauchte Wohnungen in Wien um 6,6 Prozent im Wert fielen, stiegen die Preise für Neubauten um 1,7 Prozent, was auf ein starkes Interesse an energieeffizienten, modernen Wohnungen hindeutet, und eine wachsende Marktteilung signalisiert. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit, über den Durchschnitt hinauszublicken und die vielschichtigen Bewegungen innerhalb des Immobiliensektors zu verstehen.

Es droht in den Ballungszentren Wohnungsknappheit

Österreich steht zudem vor einer merklichen Veränderung im Wohnungsneubaubereich. Die Fertigstellung von neuem Wohnraum wird in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen. Ein Indikator hierfür ist der Rückgang der Baubewilligungen um 28 Prozent im ersten Halbjahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr. Diese Entwicklung signalisiert eine zunehmende Knappheit an neuen Wohnungen, was wiederum die Preise stützt. Dies steht im Kontrast zu den vorangegangenen zwei Jahren, in denen die Immobilienpreise um beachtliche 23,3 Prozent gestiegen sind. Diese Seitwärtsbewegung könnte jedoch eine gesunde Marktkorrektur bedeuten, die neue Möglichkeiten für etablierte Immobilienunternehmen schafft, insbesondere für solche, die sich auf qualitativ hochwertigen Wohnraum konzentrieren. Unterstützt wird diese Entwicklung durch die Implementierung der EU-Taxonomie und ESG-Verordnungen, die höhere Qualitätsstandards im Immobiliensektor fördern und somit zu einer langfristigen Stabilisierung des Marktes beitragen könnten.

Potenzial für Weitsichtige

Immobilien bleiben trotz der schwierigen Rahmenbedingungen eine der besten Optionen für Investitionen. Trotz einer Verlangsamung des Preisanstiegs in 2023 aufgrund der zahlreichen Herausforderungen, lohnt es sich weiterhin, der goldenen Regel der Immobilienwelt zu folgen: „Lage, Lage, Lage“ und darüber hinaus auch auf das Thema Nachhaltigkeit zu setzen. In dicht besiedelten Gebieten wie Wien, Salzburg oder Innsbruck bleibt Wohnraum knapp, und es ist unwahrscheinlich, dass die Preise in naher Zukunft fallen werden. Angesichts der reduzierten Bautätigkeit gemeinnütziger Wohnbaugenossenschaften in den letzten zwei Jahren aufgrund der hohen Baupreise, ist zu erwarten, dass sowohl Mieten als auch Immobilienpreise in den kommenden Jahren ansteigen werden. Daher sollten Investoren mit genügend Eigenkapital die momentane Stagnation im Markt als günstige Gelegenheit für den Einstieg betrachten und sich nicht von den aktuell widrigen Bedingungen abschrecken lassen. Nur wer den Mut hat, gegen den Trend zu investieren, positioniert sich für vielversprechende Renditechancen in der Zukunft.

Dieser Kommentar ist ebenfalls bei Immobilien Investment online erschienen.

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